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Geschichte und Auswahl der Backup-Medien
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25 Jahre lang galt die Digital Linear Tape (DLT) Technologie, die ursprünglich von Digital Equipment entwickelt und 1995 an die Quantum Corporation verkauft wurde, als die modernste und zuverlässigste Backup-Technologie in der Informationstechnik. Sie basiert auf dem sehr robusten ˝“-Magnetband (12,6mm), das in einer gekapselten Kassette (Cartridge) untergebracht ist. Im Laufwerk wurden zwei Schreib-/Lese(Prüf)-Köpfe eingesetzt, wodurch die Richtigkeit der Aufzeichnung unmittelbar nach dem Schreiben geprüft werden konnte. Darüberhinaus wurden CRC-Verfahren zur Gewährleistung der Datenintegrität und ECC-Verfahren zur Korrektur einzelner Bitfehler implementiert.
Nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht über die DLT-Technologien bzw. -Laufwerke.
| Bezeichnung |
Kapazität native |
Datenrate native [MByte/s] |
Interface |
Medium |
WORM |
Banddicke [µm] |
Bandlänge [m] |
Spuren |
Jahr |
TZ30 TKZ50/TK50 |
95 MB |
0,05 |
SCSI-1 (proprietär) |
CT I |
nein |
|
183 |
22 |
1984 |
| TK70 |
295 MB |
0,05 |
DSSI |
CT II |
nein |
|
183 |
48 |
1987 |
THZ01/DLT260 TZ85/TK85 |
2,6 GB |
0,80 |
DSSI/SCSI-1 |
DLT III |
nein |
|
365 |
48 |
1989 |
THZ02/DLT600 TZ86/TK86 |
6 GB |
0,80 |
DSSI/SCSI-1 |
DLT III |
nein |
|
365 |
112 |
1991 |
| DLT2000/TZ87 |
10 GB |
1,25 |
Fast SCSI-2 |
DLT III |
nein |
|
365 |
128 |
1993 |
| DLT4000/TZ88 |
20 GB |
1,50 |
Fast SCSI-2 |
DLT IV |
nein |
9 |
537 |
128 |
1994 |
| DLT7000/TZ89 |
35 GB |
5 |
Fast/WideSCSI-2 |
DLT IV |
nein |
9 |
537 |
208 |
1996 |
| DLT8000 |
40 GB |
6 |
Fast/WideSCSI-2 |
DLT IV |
nein |
9 |
537 |
208 |
1999 |
| SDLT 220 |
110 GB |
10 |
UltraSCSI-2 |
SDLT I |
nein |
8,75 |
560 |
448 |
1998 |
| SDLT 320 |
160 GB |
16 |
UltraSCSI-2 |
SDLT I |
nein |
8,75 |
560 |
448 |
2002 |
| SDLT 600 |
300 GB |
36 |
Ultra-160 FC 2Gb |
SDLT II |
nein (ja) |
8 |
630 |
640 |
2004 |
| DLT-S4 |
800 GB |
60 |
Ultra-320 FC 4Gb/SAS |
S4 |
ja |
8 |
640 |
1280 |
2006 |
Das Quantum DLT-S4 scheint im Moment das Tape-Laufwerk mit der größten Kapazität zu sein. Leider ist es bis heute nur als Einzellaufwerk erhältlich. Es gibt noch keinen Hersteller, der Autoloader oder Libraries mit dem DLT-S4 anbietet. Auch sind bis zum jetzigen Zeitpunkt keine zuverlässigen Aussagen über Zuverlässigkeit und Stabilität bekannt.
Die DLT-Laufwerke verfügen über eine zuschaltbare Hardwarekompression, mit der die zu sichernden Daten komprimiert werden können. Als Komprimierungsverfahren wird das DLZ-Verfahren (Digital Lempel Ziv) eingesetzt. Die Hersteller gehen von einer 2:1-Kompression aus, was zu einer Verdopplung der Kapazität führen würde, aber auch zu einer Verdopplung der erforderlichen Datenrate, damit das Tape-Laufwerk im Streaming Mode arbeiten kann. Die erzielbare Kompression hängt aber stark von den zu sichernden Daten ab und eine 2:1-Kompression ist in der Praxis nicht realistisch, da die meisten Datenformate schon mit guten Komprimierungen die Daten speichern. Daher ist es ratsam, immer die unkomprimierte Kapazität (native Kapazität) zu kommunizieren bzw. bei Planungen zu Grunde zu legen.
Der DLT-Technologie steht die LTO-Technologie (Linear Tape Open) gegenüber, die auf einem offenen Standard basiert, der von IBM, Hewlett-Packard und Seagate als Gemeinschaftsprojekt erarbeitet wurde.
Im Rahmen des LTO-Standards war geplant, zwei Formatreihen zu etablieren: LTO-Ultrium und LTO-Accelis. Während der Ultrium-Standard für die Datensicherung entwickelt wurde, sollten die Accelis-Bänder für eine „schnelle“ Archivierung verwendet werden. Mit der rasanten Entwicklung der Kapazitäten der Plattenspeicher und deren Preisverfall in den letzten sechs Jahren haben sich im Archivbereich Plattenspeicher eindeutig etabliert, daher wurde der Accelis-Standard nicht zur Produktionsreife geführt.
Die Ultrium-Bänder sind grundsätzlich den DLT-Bändern ähnlich und basieren ebenfalls auf der ˝“-Technologie. Die Ultrium-Technologie verfügt aber über eine Reihe von Vorteilen, unter anderem hat sie auch von der AIT-Entwicklung profitiert:
-
Die Kassetten verfügen über einen Hardware-Speicher von 4 KByte. In dem Speicherchip werden unter anderem die Seriennummer des Bandes und die Nutzungslogdateien der letzten 100 Tapemounts abgelegt.
-
Für die Komprimierung wird ein weiterentwickeltes Lempel-Ziv-Verfahren, das sogenannte ALDC-Verfahren (Adaptive Lossless Data Compression), verwendet. Das ALDC-Verfahren lässt sich besser mit ASICs realisieren und hat damit einen wesentlich besseren Datendurchsatz bei etwas besserer Kompressionsrate.
-
Die LTO-Laufwerke sind in der Lage, dem Start-Stop-Modus durch eine Geschwindigkeitsreduzierung entgegen zu wirken. So arbeitet z.B. das LTO-3-Laufwerk normalerweise mit einer nativen Datenrate von 80 MByte/s. Wenn das Laufwerk an einem langsamen Server angeschlossen ist oder die Bereitstellung der Daten ins Stocken gerät, kann das Laufwerk die Schreibgeschwindigkeit reduzieren, so dass Datenübertragungsraten von bis zu minimal 27 MByte/s toleriert werden können.
-
Das Laufwerk verfügt über ein zeitbasiertes Spurnachführungssystem über 5 Servobereiche (mehrere Spuren), die bereits bei der Herstellung auf das Band geschrieben werden, wodurch die Robustheit noch weiter erhöht wird.
| Bezeichnung |
Kapazität native[GB] |
Datenrate native [MByte/s] |
Interface |
Medium |
WORM |
Banddicke [µm] |
Bandlänge [m] |
Spuren |
Köpfe |
Jahr |
| LTO-1 |
100 |
15 |
Ultra-2 WideSCSI |
Ultrium 200 |
nein |
8,9 |
609 |
384 |
8 |
2000 |
| LTO-2 |
200 |
30 |
Ultra-3 WideSCSI |
Ultrium 400 |
nein |
8,9 |
609 |
512 |
8 |
2002 |
| LTO-3 |
400 |
80 |
Ultra-320 FC 2Gbit/s |
Ultrium 800 |
ja |
8,0 |
680 |
704 |
16 |
2005 |
| LTO-4 |
800 |
120 |
Ultra 320 FC 4Gbit/s |
Ultrium 1.6TB |
ja |
6,6 |
820 |
896 |
16 |
2007 |
Abgesehen von den Vorteilen der LTO-Technologie ergibt sich eindeutig, dass die vergleichbare LTO-Technologie-Generation der DLT-Technologie immer einen Schritt voraus ist: Im Prinzip könnte man diesen Vergleich auch mit DLT-S4 und LTO-4 machen, aber DLT-S4 ist noch nicht etabliert und LTO-4 erst vor kurzer Zeit auf den Markt gekommen ist. Deshalb soll der nachfolgende Vergleich am Beispiel von DLT 600 und LTO-3 geführt werden:
| Kriterium |
DLT 600 |
LTO-3 |
| Kapazität, native |
300 GByte |
400 GByte |
| Durchsatz, native |
36 MByte/s |
80 MByte/s |
| Datenmenge pro Stunde |
130 GB/h |
244 GB/h |
| GB-Preis |
0,35 $/GB |
0,30 $/GB |
Erstaunlich ist auch, dass nach Studien der GB-Preis für jedes gesicherte GByte bei der LTO-Technologie niedriger ist als bei der DLT-Technologie, die fast zwei Jahrzehnte als die wirtschaftlichste Technologie galt.
Eine IDC-Studie ermittelte, dass im Jahre 2006 weltweit fast 60% des Gesamtumsatzes von ca. 330 Mill. US$ an Tape-Laufwerken allein auf LTO-Laufwerke entfielen.
Seit 2001 hält in Europa Hewlett-Packard bei Tape-Laufwerken die Marktführerschaft. Für 2006 errechnete die IDC für Hewlett-Packard einen Anteil von ca. 47%, der inzwischen nahezu aus 90% LTO-Laufwerken besteht. Quantum kam auf rund 25% Marktanteil, wobei Quantum seit einigen Jahren auch LTO- und DAT-Laufwerke produziert, und Sony auf knapp 12%. Den Rest teilen sich vor allem Tandberg und IBM, die beide auch im LTO-Markt tätig sind.
Weiterhin wurde im März bekannt, dass Quantum bereits im Februar dieses Jahres die Weiterentwicklung der DLT-Technologie zur DLT-S5 und Nachfolger zugunsten der LTO-Weiterentwicklung eingestellt hat.
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