30 Jahre IBH

30 Spannende Momente

Auf dieser Seite erleben Sie 30 Jahre IBH Geschichte: Von der Gründung, über den Start als erster Internet Server Provider in Sachsen, über die Entwicklung in den einzelnen Kompetenzfeldern bis hin zum Komplettanbieter für IT-Dienstleistungen, welche die IBH IT-Service GmbH heute ist. Lassen Sie uns die Reise beginnen.

1991

Gründung des Ingenieurbüros Prof. Dr. Thomas Horn (IBH)

Das Ingenieurbüro Prof. Dr. Thomas Horn wurde im März 1991 beim Gewerbeamt der Stadt Dresden angemeldet. Da kurz nach der Wende noch alles im Aufbau war, gab es für Gründer keine Unterstützung. Zu DDR-Zeiten wurde in den 50-iger Jahren die IHK aufgelöst und musste sich daher nach der Wende erst wieder neu gründen. Darüber hinaus waren für die vielen neu gegründeten freiberuflichen Ingenieurbüros die IHK‘s auch nicht zuständig. Daher arbeitete jeder Gründer so wie er es für richtig hielt. Jeder Gründer konzentrierte sich auf seine Arbeit und Bürokratie gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Anmietbare Gewerberäume fehlten jedoch auch, da nahezu alle Immobilien auf die Treuhandanstalt übergegangen sind und eine private Vermietung von Gewerberäumen musste sich erst wieder etablieren.

Aus der Not wurde eine Tugend gemacht und das Ingenieurbüro Horn wurde in der eigenen Wohnung gegründet. Da die Geschäftstätigkeit mit freiberuflichen Mitarbeitern aufgebaut wurde, waren auch erst einmal keine Geschäftsräume zwingend erforderlich. Die Kosten wurden auf ein Minimum gehalten und es wurde viel improvisiert. Schulungen und Consultings wurden bei den Kunden durchgeführt, was den Kunden sogar entgegenkam. Sie hatten keine Reisezeiten und -kosten, aber dafür einen exklusiven Service.

Trotz allem machte das Ingenieurbüro in den ersten Monaten im Jahr 1991 einen Umsatz von 67.000,- DM und einen Gewinn von 30.000,- DM, der dringend zum weiteren Ausbau des Ingenieurbüros gebraucht wurde. Kredite gab es zu diesem Zeitpunkt nicht, jede Deutsche Mark die man investieren wollte, musste erst verdient werden.

1992

Auf der Suche nach Geschäftsräumen

Die Arbeit aus dem „Homeoffice“, das Durchführen von Schulungen und Consultings beim Kunden, sowie der Einsatz von Freiberuflern ist natürlich die kostengünstigste Variante für den Aufbau einer Firma. Jedoch sind die Wachstumsmöglichkeiten limitiert, ein Kundenbesuch im Büro ist nicht möglich. Daher haben wir uns bemüht Geschäftsräume anzumieten, was zum damaligen Zeitpunkt jedoch nicht einfach war.

Anfang der 80iger Jahre gab es bekanntlich einen erheblichen Strukturwandel im Ruhrgebiet. Daraus entstand 1984 in Dortmund die Idee, ein Technologiezentrum für die Ansiedlung junger innovativer Unternehmen als Magnet und Drehscheibe für zukunftsweisende Technologien zu gründen.

Der in den 90er Jahren einsetzende Strukturwandel in Sachsen infolge der Wiedervereinigung war sicherlich nicht geringer als Jahre zuvor im Ruhrgebiet. Im Spätsommer 1990 kam das Prorektorat für Natur- und technische Wissenschaften der Technischen Universität Dresden (TUD) auf den Gedanken, sich das Modell eines Technologiezentrums anzusehen. So kam man mit dem Geschäftsführer des TechnologieZentrumsDortmund (TZDO) in Kontakt, der bereits Ende 1989 der Stadt Dresden die Gründung eines Technologiezentrums vorgeschlagen hatte. Man wurde sich mit dem TZDO und der späteren Landeshauptstadt (LHDD) schnell einig, auf den positiven Erfahrungen aus dem Ruhrgebiet aufbauend, auch in Dresden ein Technologiezentrum zu etablieren. Alle drei Beteiligten gründeten noch 1990 gemeinsam das TechnologieZentrumDresden (TZD). Dafür stellte die TUD den früheren Kindergarten und spätere Assistentenwohnheim auf der Bergstr. 69 zur Verfügung, das sich gerade in der Sanierung befand. Ein Mitarbeiter aus dem Führungsstab des Rektorats übernahm mit dem Geschäftsführer des TZDO den Aufbau des TechnologieZentrumDresden.

Als wir 1992 nach Büroräumen suchten, platzte das TZD schon längst aus allen Nähten. Man stellte uns aber in Aussicht, 1993 am neuen Standort des Technologiezentrums auf der Gostritzer Str. Räume anmieten zu können. Die Landeshauptstadt Dresden hatte gerade zu dieser Zeit dem TZD das Gelände der ehemaligen Ziegelei auf der Gostritzer Str. 61-63 zur Verfügung gestellt, das seit 1971 von der Kommunalen Wohnungsverwaltung Süd-Ost (KWV) verwaltet wurde und im Wesentlichen dem Verfall preisgegeben war. Bei der Privatisierung der KWV Süd-Ost 1992 zur späteren WOBA Süd-Ost hat der damalige Wirtschaftsbürgermeister der LHDD das Grundstück kurzer Hand „abgezweigt“ und den TZD zum Kauf angeboten. Später hat die LHDD geholfen, das Grundstück gegen Restitutionsansprüche des Enkels des früheren Fabrikbesitzers zu verteidigen.

Für die Übergangszeit bot uns das TechnologieZentrumDresden einen Mietvertrag als „externer Mieter“ an, was die Nutzung der Adresse und des Namens des TZD, die Nutzung der Sekretariatsdienste, die Nutzung des Kopierers und die Benutzung der Beratungsräume beinhaltete. Damit hatte nun die IBH als Firmensitz einen wohlklingenden Namen. Der wesentliche Vorteil aber war, dass wir durch den Mietvertrag eine Anwartschaft auf eigene Büroräume auf der Gostritzer Str. erwarben.

Gebäudeansicht aus dem Jahre 1992 des TechnologieZentrumDresden auf der Bergstraße 69 in Dresden.

1992

Finanzierung der Investitionen

Im Zusammenhang mit der Einmietung in das TechnologieZentrumDresden (TZD) entstand die Idee – auch als Mehrwert für das TZD zur Steigerung seiner Attraktivität – allen Einmietern des Technologiezentrums Internet-Dienstleistungen anzubieten. Damit sollte die Möglichkeit eröffnet werden, dass jede Firma bei Bedarf ihren eigenen Internetzugang erhält.

Für dieses neue Geschäftsfeld als Internet-Provider waren Investitionen erforderlich. Es gab noch keine privatwirtschaftlichen Internet-Provider in Deutschland. Die Universitäten und Hochschulen wurden seit 1984 über das Deutsche Wissenschaftsnetz vom DFN-Verein (Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes) versorgt, im Wesentlichen vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) finanziert. Auf Grund der Finanzierung über öffentliche Mittel des Bundes durften privatwirtschaftliche Einrichtungen nicht mit Internetzugängen versorgt werden.

Damals wurde von der Deutschen Bundespost für Datenübertragungen nur das DATEX-P-Netz auf der Basis der X.25-Protokolls angeboten, was auch die technologische Basis des DFN war.

Daher waren für die Realisierung von Internetzugängen mindestens ein X.25-Router und ein Internet-Server erforderlich. Als X.25-Router wurden im Wesentlichen die marktbeherrschenden Router von Cisco Systems eingesetzt, die mindestens 30.000,- DM kosteten. Als Internet-Server wurden in der Regel die hervorragend geeigneten Server und Workstation von Sun Microsystems eingesetzt, die ab etwa 50.000,- DM erhältlich waren. Es wurden also dringend Mittel für Investitionen benötigt.

Als Kunde der Stadtsparkasse war nichts naheliegender, als sich mit einem Kreditantrag an seine Hausbank zu wenden. Die zuständige Abteilungsleiterin im Geschäftskundenbereich lehnte unseren Antrag im November 1992 ab: „Was Sie da machen wollen, verstehen wir sowieso nicht. Wenn Sie Tontöpfe herstellen würden, dann könnten wir Ihnen einen Kredit geben!“. Das war etwas plakativ, aber symptomatisch für die damalige Zeit. Andere Banken reagierten nicht viel anders. Das Problem was dahinter stand war, dass die Banken für das neue Geschäftsfeld Internet-Providing (und IT im Allgemeinen) noch keine Risikobewertung hatten und wir keine bankenüblichen Sicherheiten bieten konnten. Daher musste die Idee vorerst auf Eis gelegt werden.

Tontöpfe als Symbol für die Absage der Hausbank in Bezug auf die Kreditanfrage der IBH bei ihrer Hausbank im Jahr 1992.

1993

Realisierung eines Internet-Zugangs

Nach der Zusage zur Anmietung von Geschäftsräumen im TechnologieZentrumDresden war nun die Frage, wie eine physische Verbindung zum Internet realisiert werden kann.

Im Access-Bereich wurden im Wesentlichen analoge Telefonleitungen mit entsprechenden Modems eingesetzt. 1991 wurde auf der CeBit in Hannover das erste postzugelassene Modem mit einer Übertragungsrate von 9.600 bit/s (V.29 Standard) vorgestellt. Damals benötigte jedes Gerät, welches an Einrichtungen der Deutschen Post anzuschließen war, noch eine sogenannte FTZ-Zulassung (Fernmeldetechnisches Zentralamt mit Sitz in Darmstadt). Der V.34-Standard mit einer maximalen Datenübertragungsrate von 33,6 kbit/s wurde erst 1994 eingeführt.

Das nationale ISDN (Integrated Services Digital Network) mit dem 1TR6-Protokoll und einer Datenübertragungsrate von 64 kbit/s je Kanal wurde erst schrittweise ab 1989 aufgebaut. Abgesehen von der Verfügbarkeit gab es zu dieser Zeit noch keine ISDN-Router dafür. Bei Cisco Systems gab es nur Router für das X.21/X.25-Protokoll. Ab Dezember 1993 erfolgte dann bei der Deutschen Post die Umstellung auf das Euro-ISDN-Protokoll (DSS1), das in Deutschland erst ab September 1995 flächendeckend zur Verfügung stand.

Für größere Datenübertragungsraten, vor allem im Backbone-Bereich, konnten somit nur Leitungen aus dem DATEX-P-Netz (X.25-Protokoll) der Deutschen Post genutzt werden. Die Preisliste vom 1. März 1992 besagt, dass ein 64kbit/s-Anschluss eine monatliche Grundgebühr von 1.500,- DM kostete. Dazu musste noch das Datenvolumen vergütet werden, das nach übertragenen Segmenten aus 64 Oktetts berechnet wurde. Seit über 100 Jahren wurden in den Postverwaltungen der Länder für zu übertragene Zeichen die Begriffe Quintett, Sextett, Septett und Oktett benutzt. Erstmalig wurde der Begriff Byte für 8-Bit-Zeichen, den die meisten von uns nur kennen, 1956 von der IBM beim Computersystem IBM 7030 benutzt. Er setzte sich dann in der Informatik etwa ab 1963 mit der weltweiten Verbreitung der Computersysteme der Reihe IBM/360 durch. Die Postverwaltungen der Welt, so auch die Deutsche Bundespost und ab 1996 die Deutsche Telekom, haben in ihren Dokumenten bis etwa 2005 immer noch den klassischen Begriff Oktett verwendet.

Ein zu übertragendes Segment im Sinne des DATEX-P-Netzes war definiert als eine Gruppe von 64 Oktetts (Byte) und kostete laut der o. g. Preisliste 0,33 Pfennig. Ab dem 200.000-sten Segment reduzierte sich der Betrag auf 0,16 Pfennig pro Segment. Damit betrug der Preis für die Übertragung von 1GByte damals etwa 25.000,- DM. Das waren also nur die reinen Leitungskosten für die Übertragung auf der „letzten Meile“, ohne alle anderen Internet-Kosten.

Damit war das Thema Internet-Access erst einmal „auf Eis gelegt“. Internet war ein Luxus-Produkt bzw. ein Privileg der Hochschulen und Universitäten, die vom Steuerzahler finanziert wurden.

Auszug aus der DATEX-P Preisliste mit Stand 01. März 1992.

1993

Bezug der eigenen Geschäftsräume

Im Mai 1993 war es endlich soweit, wir konnten unsere eigenen Geschäftsräume am neu eröffneten Standort des TechnologiezentrumsDresden an der Gostritzer Str. 61 im Stadtteil Dresden Mockritz beziehen. Mit großer Prominenz wurden die ersten 3 Häuser der ehemaligen Ziegelei nach Ihrer Instandsetzung eingeweiht: die Gelbe Villa, die Remise und das Gesindehaus. Auch August der Starke und seine Mätresse Gräfin Cosel gaben sich die Ehre. Zugedacht waren uns zwei „kuschlige Zimmer“ mit mehreren Schrägen im Dachgeschoß der Gelben Villa, in der ehemals der Fabrikant residierte und zuletzt in DDR-Zeiten eine Kantine für die KWV Dresden-Süd war. Auf alle Fälle gab es einen ständig besetzten Empfang und gemeinschaftlich nutzbare, stilvoll eingerichtete Beratungs- und Schulungsräume. 1994 erhielten wir dann noch einen Raum im Keller, der vor allem als Kommunikations- und Serverraum genutzt wurde.

Damit war nun die wichtigste Voraussetzung vorhanden, auch Mitarbeiter fest einzustellen. Im Oktober 1993 wurde folgerichtig als erster Mitarbeiter Herr André Beck mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag eingestellt. Als er seinen Arbeitsplatz im Dachgeschoß der Gelben Villa einrichtete, war eine seiner ersten Fragen: „Wo ist denn hier der Internetzugang?“. Herr Beck lernte während seines Fachstudiums und seiner Diplomarbeit an der TU Dresden das Internet schätzen, das etwa ab Herbst 1990 in der Fakultät Informatik zumindest den Studenten der höheren Semester zur Verfügung stand.

Es gab aber damals in Sachsen noch keinen Internet-Provider und die TU Dresden durfte gemäß der Satzungen des DFN e.V. keine Dritten mit Internet versorgen. Für die großen Telekommunikationsunternehmen, wie z. B. die Deutsche Post, die seit 1983 ihr Eigenprodukt BTX (Bildschirmtext) vermarktete, war Internet kein interessantes Geschäftsfeld. In den USA gab es ähnliche Entwicklungen, wie z. B. AOL (America Online) und CompuServe, die alle ihre eigenen Protokollwelten hatten und nichts mit dem Internet gemein hatten.

Die Idee war geboren, selbst Internet-Provider zu werden und somit auch das Technologiezentrum Dresden mit Internet zu versorgen und für einen neuen Aufschwung zu sorgen. Wir verfügten aber zu diesem Zeitpunkt weder über eine erforderliche Leitungsinfrastruktur, noch hatten wir ein ausreichend großes finanzielles Polster. Wie aber machten das die anderen Internet-Provider, die wahrscheinlich alle ähnliche Hürden meistern mussten?

Bezug der eigenen Geschäftsräume im Jahr 1993 in der Gelben Villa auf der Gostritzer Straße in Dresden.

1994

Aufbau des neuen Geschäftsfeldes als Internet Service Provider

Das Internetgeschäft wurde Anfang der 90-iger Jahre fast ausschließlich durch Startups aufgebaut. Wie erfolgte dies?

Einer der ersten deutschen Provider war 1992 die EUnet Deutschland GmbH in Dortmund. Die Firma entstand als Ausgründung von Mitarbeitern aus dem Rechenzentrum der Universität/Gesamthochschule Dortmund, die seit 1984 Erfahrungen aus dem Aufbau des Wissenschaftsnetzes des DFN Vereins hatten. Sie suchten sich einen Geldgeber und fanden den bei der EUnet International Inc. in Amsterdam, die mit reichlich Kapital von der Königlichen Post- und Telefongesellschaft der Niederlande ausgestattet war. EUnet International hatte das Ziel, ein europaweites Internet aufzubauen und da war Deutschland noch ein weißer Fleck. Folglich fiel das Angebot der früheren Kollegen aus dem Rechenzentrum der Universität/Gesamthochschule Dortmund auf fruchtbaren Boden.

Nur ein Jahr später, im November 1993, wurde in Karlsruhe die Firma Xlink zunächst als Geschäftsbereich der NTG Netzwerk- und Telematik GmbH aus dem Rechenzentrum der Universität Karlsruhe ausgegründet. Prof. Werner Zorn hatte 1984 das erste deutsche Internet-Projekt Xlink (eXtented Lokales Informatik Netz Karlsruhe) begründet und war ebenfalls Mitbegründer des DFN Vereins. Xlink, das ehemalige universitäre Projekt, wurde somit privatisiert. Die NTG, eine deutsche Bull-Tochter, finanzierte das Internetgeschäft als Katalysator für ihre Netzwerkprojekte.

Die Idee war geboren, mit einem Provider der ersten Stunde eine Kooperation einzugehen. Also wandten wir uns zuerst an die ehemaligen Kollegen des Rechenzentrum der Universität/Gesamthochschule Dortmund, die uns beim Aufbau des Internets an der TU Dresden tatkräftig unterstützten. Trotz vieler Bekundungen passierte lange Zeit nichts. Wo war das Problem? Die Philosophie der EUnet Deutschland sah vor, mit Firmen als PoP-Betreiber (Point of Presence) zu kooperieren, wobei sie mindestens 51% der Firma übernehmen wollten, damit sie bestimmen können, was angeboten und wie das Geschäft organisiert wird. Was ist aber die Mehrheit bei einer Personengesellschaft? Zudem wollten wir unser klassisches Schulungs- und Consulting-Geschäft nicht aufgeben.

Im März 1994 riefen wir beim Mitgründer von Xlink, Herrn Prof. Werner Zorn, an und waren uns nach 15 Minuten einig. Das wurde dann Mitte April in Karlsruhe mit Herrn Michael Rotert, dem damaligen Mitbegründer/Geschäftsführer von Xlink und heutigen Ehrenpräsidenten des eco –  Verband der Internetwirtschaft e.V. – besiegelt: IBH wird Handelsvertreter von Xlink mit Gebietsschutz für Sachsen und verkauft die Internet Dienstleistungen von Xlink. Xlink betreibt den deutschlandweiten Backbone sowie die transatlantischen Leitungen zum Anschluss an den amerikanischen Internet-Backbone und kümmert sich um die internationalen Aktivitäten sowie das nationale Marketing. Wir betreiben den Internet-PoP in Dresden, akquirieren im Rahmen unserer Schulungs- und Consulting-Leistungen neue Kunden, schließen die Kunden an und kümmern uns um deren Betreuung. Damit hatten wir eine nahezu perfekte Arbeitsteilung mit Xlink und waren Mitglied einer deutschlandweiten Gemeinschaft von Gleichgesinnten.

Die Firma konnte sich auf der Basis des Synergie-Effektes zwischen dem Internet-Geschäft und den anderen Geschäftsfeldern bis heute erfolgreich entwickeln.

1994

ISDN-Technologie und erste Router

1989 begann die Deutsche Bundespost mit dem schrittweisen Aufbau eines digitalen Telefonnetzes, des Integrated Services Digital Network, kurz ISDN genannt. Dazu wurde ein eigenes deutsches Signalisierungsprotokoll 1TR6 entwickelt.

Um nationale Barrieren zu überwinden, gründete die EU 1988 das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI). 1989 wurde folgerichtig für ein europaweites ISDN (Euro-ISDN) das Protokoll Digital Subscriber Signalling System No. 1 (DSS1) verbindlich beschlossen. Das ISDN ist also die erste DSL-Technologie (Digital Subscriber Line = digitale Teilnehmeranschlussleitung).

Als wir im März 1994 in Karlsruhe waren, erfuhren wir, dass es in Alameda, an der San Francisco Bay gelegen, eine junge aufstrebende Firma namens ASCEND gäbe, die Internet-Router für das Euro-ISDN entwickeln würde. Mit einem Upgrade der ISDN-Vermittlungsstellen war auch für Sachsen die Einführung des Euro-ISDN zum Mai 1994 geplant.

Distributoren oder anderweitige Bezugsquellen für diese Produkte waren nicht bekannt, also wandten wir uns an die Firma ASCEND Communications Inc. direkt. Wir bekamen für Testzwecke umgehend einen ISDN-Router MAX 1800 für den einzurichtenden Inter-PoP in Dresden und einen ISDN-Router Pipeline P50 als typisches Kundenanschlussgerät. Damit wurden wir sowohl Beta-Tester für die Firma ASCEND Communication als auch für die Deutsche Bundespost. Mit dem Engineering in Alameda waren wir in einem direkten Kontakt. Fehler im Euro-ISDN wurden mehrfach an die Deutsche Post gemeldet und mit einem Generalupdate im Oktober 1994 konnten auch alle wesentlichen Fehler des Euro-ISDN beseitigt werden.

Da die Geräte sehr gut funktionierten, vereinbarten wir mit der Firma Ascend einen Partnervertrag und bezogen in den folgenden Jahren die ISDN-Router direkt vom Hersteller. Damit konnte im Juli 1994 der Xlink Internet-PoP in Dresden aufgebaut werden.

Als Internet-Provider mit einem funktionsfähigen Internet-Zugang präsentierten wir uns dann erstmalig auf der größten ostdeutschen Messe für Computer-Technologie, der COMTEC ’94. Wir waren somit der erste sächsische Internet-Provider. Ab der COMTEC ‘95 versorgten wir dann regelmäßig auf Wunsch alle Aussteller mit einem temporären Internet-Zugang in den Ausstellungshallen am Straßburger Platz und ab dem Jahr 2000 auch auf dem neuen Dresdner Messegelände im Ostragehege.

Eine interessante Episode aus jener Zeit betraf die Verzollung der Router bei der Einfuhr aus den USA. Im Zolltarifverzeichnis gab es keine „Router“. Also riefen die Zollbeamten, meist vom Flughafen Köln-Bonn, an und wollten wissen was ein Router ist. Die Geräte haben einen ISDN-Anschluss und einen LAN-Anschluss. ISDN-Geräte gehören in die Rubrik „Telefonie, Telefonzubehör“, wo es eine einheimische Wirtschaft zu schützen gibt, also muss ein Zoll in Höhe von ca. 8% entrichtet werden. Wenn der Router aber zur Computertechnik gehört, dann dient er der Förderung der heimischen Wirtschaft und wird nur mit ca. 3% verzollt. Also wurde mit den Zöllnern meist gepokert. Später, im Jahre 1999, strengte ein Münchener Distributor einen Musterprozess beim OLG in München an, der zu unseren Ungunsten ausging und wir mussten einen 5-stelligen Betrag an Einfuhrumsatzsteuern nachzahlen.

ASCEND Internet-Router für das Euro-ISDN aus dem Jahre 1994.

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